Chronologie
CHRONOLOGIE DER WICHTIGSTEN EREIGNISSE

1978 Als eine Musteranlage der UdSSR wird das AKW Tschernobyl mit einem ersten Block in Betriebgenommen.

1983 geht Block IV, der „Unglücksreaktor“, ans Netz. Zwei weitere Blöcke sind im Bau.

25. April 1986 Im Block IV des AKW Tschernobyl werden zur Vorbereitung eines Tests mehrere Sicherungssysteme deaktiviert. Der Reaktor wird im Laufe des Tages stufenweise auf eine niedrigere Leistungheruntergefahren.

26. April 1986 Trotz instabiler Reaktorleistung wird um 1:23 Uhr der Test gestartet. Innerhalb von Sekunden steigt die Reaktorleistung um ein Vielfaches an. Eine manuelle Notabschaltung 40 Sekunden nach Testbeginn funktioniert nicht mehr. Es kommt zu einer nuklearen Kettenreaktion. Der Reaktor explodiert. Um 5:00 Uhr sind die Brände außerhalb des Reaktors von der Werksfeuerwehr gelöscht. Block III ist abgeschaltet worden. In der drei Kilometer entfernten Stadt Pripjat leben zu dieser Zeit 45.000 Menschen, davon 16.000 Kinder. Ahnungslos genießen sie den 26. April 1986 als ersten warmen Samstag im Frühling.

27. April 1986 Erst 36 Stunden nach dem Reaktorunfall werden die Bewohner der Kraftwerkssiedlung Pripjat evakuiert. Im Norden Finnlands wird stark erhöhte Radioaktivität festgestellt. Als Verursacher wird ein sowjetisches Kraftwerk vermutet.

28. April 1986 Auch in Schweden und Dänemark löst die Messung von ungewöhnlich hoher Strahlung Alarm aus. Die Windrichtung weist auf eine Herkunft der Partikel aus dem Gebiet der Sowjetunion.Am Abend teilt die sowjetische Nachrichtenagentur TASS erstmals mit, dass es im KernkraftwerkTschernobyl einen Unfall gegeben habe.

29. April 1986 Die Meldung vom GAU in Tschernobyl läuft zum ersten Mal in den deutschsprachigenRundfunknachrichten. In der UdSSR ist erstmals von einer „Katastrophe“ und von zwei Todesopferndie Rede. Seit den ersten Tagen führen Hunderttausende sogenannter „Liquidatoren“ über mehrere Monate Aufräumarbeiten in der Strahlenzone durch; die meisten von ihnen ohne Wissen über die Wir-kung der Radioaktivität und vor allem ohne taugliche Schutzausrüstung.

30. April 1986 Moskau dementiert Berichte über Tausende Tote. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird erhöhte Radioaktivität registriert.

5. Mai 1986 Generalsekretär Michail Gorbatschow äußert sich erstmals im sowjetischen Fernsehen zur Reaktorkatastrophe. In den zehn Tagen seit dem Unfall sind aus einer 30-Kilometer-Zone um den Reaktor 130.000 Menschen evakuiert worden. In dieser Zeit wurde auch die größte Menge an Radioaktivität freigesetzt. Je nach Wind und Regenfällen ist die Kontaminierung regional sehr unterschiedlichverteilt. Eine zweite Wolke radioaktiven Fallouts trifft am 1. Mai auch Süddeutschland.